Auch Georgien ist in Gefahr!

Ukraine-Krieg: Welche Gefahren bringt der Ukraine-Krieg für das georgische Volk?

Mein Name ist Nino Kochiashvili und mein Heimatland ist Georgien. Ich lerne in der achten Klasse der Sekundarschule Annaburg und nehme am Zeitungsprojekt Klasse 2.0. teil. Seit Beginn unseres Projekts lese ich die Mitteldeutsche Zeitung jeden Tag mit Interesse und sehe viele Nachrichten über den Ukraine-Krieg. Leider finde ich keinen Hinweis darauf, wie gefährlich der Krieg für Georgien ist bzw. welche Auswirkungen dieser Krieg für mein Volk hat. Deshalb habe ich mir dieses Thema für meinen Beitrag gewählt.
Mein Heimatland Georgien liegt zwischen Europa und Asien. In Norden grenzt Georgien an Russland und es ist etwa so groß wie Bayern. Im Westen grenzt es an das Schwarzen Meer und im Süden an die Türkei, Armenien und Aserbaidschan. Das georgische Volk steht wegen des Kriegs in der Ukraine gegenwärtig vor einer großen Gefahr. Georgien hat den Krieg mit Russland schon erlebt. Bereits seit dem 20. Jahrhundert gibt es in Georgien Kämpfe mit Russland. Das Volk hat in der Vergangenheit viel Schlimmes erlebt.
Bereits vor 1989 wurden in der ehemals eigenständigen russischen Sowjetrepublik Stimmen laut, die die Unabhängigkeit forderten. Das georgische Volk ging auf die Straße. Am 9. April 1989 haben die Sondereinheiten der Sowjetischen Armee die Demonstration in Tbilissi niedergeschlagen, wo Spaten als Schlagwaffen eingesetzt wurden. An diesem Tag wurden 21 junge Frauen und Männern getötet. Als eine der ersten Sowjetrepubliken sagten sich die Georgier*innen im März 1991 von der Sowjetunion los. In einem Referendum stimmten sie über die Wiederherstellung der Unabhängigkeit ihres Landes ab, am 9. April 1991 folgte die Unabhängigkeitserklärung. Problematisch ist die Situation in Südossetien und in Abchasien. Bereits 1990 erklärte sich Südossetien und 1993 Abchasien für unabhängig. Unterstützt wurden die beiden Republiken von Russland. Dies führte zu zahlreichen Konflikten zwischen Georgien und Russland sowie den von Russland unterstützten Republiken Südossetien und Abchasien. Höhepunkt war der Kaukasuskrieg 2008. Dieser Krieg dauerte 5 Tage und wurde auf dem Boden von Georgien ausgetragen. Ursachen des Krieges sind in der Geschichte der Völker zu suchen. Mit Südossetien und Abchasien hat Russland 20% der ehemals zu Georgien gehörenden Gebiete okkupiert, Konflikte gibt es noch immer. Bis zum Jahr 2022 gab es Verrat und zahlreiche Vertragsbrüche von Seiten Russlands.
Heute ist Georgien bestrebt, die Beziehungen zur Europäischen Union und auch zum Europarat, dem es seit 1999 angehört, zu festigen. Am 1. Juli 1999 traten EU-Partnerschafts- und Kooperationsabkommen mit Georgien in Kraft. Dennoch gibt es innerstaatlich viele Probleme. Und seit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine hat das Volk Angst davor, selbst Ziel eines Angriffs zu werden. Gegenwärtig gibt es auch in Georgien Demonstrationen zur Unterstützung der Ukraine. Selbst die Präsidentin Salome Zourabischvili zeigt ihre Solidarität mit den Ukrainer*innen, sogar im Parlament! Und deshalb verklagte sie die georgische Regierung vor dem Bundesverfassungsgericht in Georgien. Anfang März haben Georgien und Moldau die Anträge für Aufnahme in die EU gestellt, weil es ihnen bald ähnlich wie der Ukraine gehen könnte. Wenn Russland die Ukraine besiegt, könnten als nächstes Georgien und danach Moldau ein ähnliches Schicksal erleiden. Denn in der georgischen Regierung sitzt ein russischer Oligarch, der Russlands und Putins Maßnahmen indirekt unterstützt. Deshalb wird es für Putin viel einfacher sein, ganz Georgien ohne Krieg zu okkupieren. Wir sehen, dass die georgische Regierung pro-Russland eingestellt ist, aber es ist das Volk, das nicht wieder Teil Russlands sein will.
Die Menschen der Generationen meiner Eltern und Großeltern sagen, dass wir nicht wieder in die Zeit der Sowjetunion zurück wollen. Mehr als 30 Jahre finden die Demonstrationen für die Demokratisierung Georgiens vor dem Parlamentsgebäude statt und viele Menschen sind für die Freiheit gestorben. Damit die Kämpfe und das Blutvergießen des georgischen Volkes gegen den Okkupanten nicht umsonst waren und sind, sollte Georgien nicht wieder Teil Russlands werden, sondern alles für eine Mitgliedschaft in der EU getan werden.

#Славаукраїні #Славагрузія

Nino Kochiashvili


(Quelle: Wikipedia; sprachliche Unterstützung M.Vetter)

1 Kommentar zu „Auch Georgien ist in Gefahr!“

  1. Hallo Nino, das ist ein überaus interessanter Text, der ein besonderes Licht auf den Ukraine-Krieg wirft. Du hast recht, die Bedrohung Georgiens spielte bisher kaum eine Rolle. Und wenn doch, dann haben Ukrainer darauf hingewiesen, dass Georgien das nächste Ziel der Russen sein könnte. Warum das so sein könnte, hast Du mit Deinem historischen Rückblick sehr anschaulich erklärt. Ein sehr guter und mahnender Text!

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