Homeschooling oder Präsenzunterricht

Was denken Lehrer*innen, Schüler*innen und die  Eltern der Schüler dazu?

Meinung der Schüler – Die Frage, ob die Schulen erneut ins Homeschooling wechseln sollten oder nicht, steht noch immer in Diskussion. Doch was halten eigentlich die Schüler davon?

Von Uta Gärtner

HALLE – Die Infektionszahlen sind nach wie vor sehr hoch und auch Halle gehört nun schon seit über einem Monat zu den Risikogebieten. Sämtliche Freizeitaktivitäten wurden gestrichen, doch die Schulen bleiben weiterhin offen. Natürlich möchte man den Schülern die bestmögliche Bildung gewährleisten, doch wäre es nicht sinnvoller, die Schulen erneut zu schließen, um die Verbreitung des Corona-Virus einzuschränken? Was halten also die Schüler davon und wie sind sie allgemein mit dem Homeschooling klargekommen?

Bei einer Umfrage in einer 8. Klasse des Georg-Cantor-Gymnasiums in Halle meinte mehr als die Hälfte der Schüler, gut oder relativ normal mit dem Homeschooling zurechtgekommen zu sein, jedoch gab es auch einige die angaben nicht so gut oder sogar schlecht damit klargekommen zu sein. Trotzdem war die deutliche Mehrheit der Meinung, dass Homeschooling angenehmer, bzw. genauso angenehm wie Präsenzunterricht ist, da es weniger stressig war und sie sich ihre Zeit selbst einteilen konnten. Nichtsdestotrotz wird der Präsenzunterricht für die effektivere Art zu Lernen gehalten, da viele es besser finden, den direkten Kontakt zu den Lehrern zu haben und einfacher Nachfragen stellen zu können. Die meisten Schüler sind trotzdem der Meinung, dass es besser wäre die Schulen wieder zu schließen oder wenigstens erneut in Halbgruppen zu unterrichten, damit die Pandemie schneller überwunden und die Gesundheit der Lehrer und Schüler geschützt werden kann. Manche Schüler finden auch die Hygienekonzepte nicht konsequent genug, doch diese wurden ja jetzt bereits etwas strenger durch die Mundschutzpflicht im Unterricht, welche jedoch auch weitere Probleme mit sich zieht, wie beispielsweise im Sportunterricht, welcher mit Maske vermutlich nur schwer möglich ist. Dazu kommt, dass es bei einer neuen Homeschooling-Phase weniger Probleme gäbe, da Schüler und Lehrer sich nun bereits damit auseinandergesetzt haben und somit vieles einfacher und schneller gehen würde. Grundsätzlich halten die Schüler es also für sinnvoller, wieder von zu Hause aus unterrichtet zu werden, aufgrund der hohen Infektionszahlen und um ihre Mitschüler und sich selbst besser schützen zu können.

Meinung der Lehrer*innen – Das Distanzlernen hat nicht nur Schüler getroffen. Auch die Lehrer mussten auf eine ganz neue Art unterrichten. Aber wie war es für sie? Und hatten sie wirklich weniger Arbeit als sonst, wie ihnen manchmal nachgesagt wurde?

Von Lukas E. Kort

Um diese Fragen zu beantworten, wurden einige Lehrer*innen befragt. Ergeben hat sich, dass die meisten der Befragten im Homeschooling gleich oder sogar oft mehr Arbeit hatten als im normalen Schulalltag. Das kam zum einen dadurch zu Stande, dass sie meist mehr zu korrigieren hatten, weil sie ja viel mehr Arbeiten kontrollierten, um zu sehen ob die Schüler die Aufgaben auch gut schaffen. Zum anderen dauerte der Austausch zwischen Schüler und Lehrer länger und war nur mit einem Schüler zur gleichen Zeit möglich. Auch waren ein paar Lehrer*innen noch nicht so vertraut mit der Technik.

Laut Aussagen von verschiedenen Lehrer*innen ist das Homeschooling aber nicht nur für sie nicht so gut gewesen, sondern auch für viele Schüler, da sie schlechter gelernt haben und ihnen wahrscheinlich manchmal einfach die Überwindung fehlte, ihre Aufgaben zu erledigen. Aber auch die Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler war oft nicht ausreichend. Es gibt da natürlich auch Ausnahmen. Schüler, die ihren Tag gut strukturieren konnten, sind sehr gut, vielleicht sogar besser, zurechtgekommen. Aber das war eben nur der Ausnahmefall.

Fazit ist also, das Distanzlernen ist auf jeden Fall nicht so effektiv wenn es um den Lerneffekt geht. Wie kann man das ändern? Hier sind ein paar Verbesserungsvorschläge von Lehrern*innen:

1. Alle Schüler brauchen verlässliches Internet und Zugang zu einem digitalen Endgerät wie einem Computer.

2. Es sollte mehr Rückmeldungen der Lehrer zu den Arbeiten der Schüler geben.

3. Eine gute Abwechslung zwischen Online-Aufgaben und z. B. Sprachchats mit den Lehrern*innen und der Klasse sollte gegeben sein, um die fehlende Kommunikation auszugleichen.

So wie das Homeschooling im Moment gehandhabt wird, ist es also nicht so gut wie der Präsenzunterricht, aber ist diese Unterrichtsvariante auch mit den derzeitigen Coronazahlen noch gut? Zwei Drittel der befragten Lehrer*innen meinten, in der jetzigen Lage wäre es am besten in Halbklassen zu unterrichten. Das heißt, die Klassen werden in zwei Hälften geteilt und diese haben dann abwechselnd eine Woche Homeschooling und die darauffolgende Woche wieder Präsenzunterricht. Das so etwas passieren wird ist unwahrscheinlich, kann aber trotzdem kommen.

Meinung der Eltern – Dass die Schüler*innen und die Lehrer*innen Probleme mit dem Homeschooling hatten, konnte man sich schon denken, aber wie haben das die Eltern der Schüler wahrgenommen?

Von Valentin Gotter

Textfeld: Meinung der Eltern - Dass die Schüler*innen und die Lehrer*innen Probleme mit dem Homeschooling hatten, konnte man sich schon denken, aber wie haben das die Eltern der Schüler wahrgenommen? Ich habe drei Mütter befragt, was sie über das Homeschooling denken. Eine Mutter eines dreizehnjährigen Jungen meinte, sie halte es für besser, wenn Kinder in die Schule gehen, weil man in der Schule auch andere Menschen kennenlerne. Eine andere Mutter, mit einem Sohn in dem gleichen Alter, sagte, dass damit Homeschooling mehr als nur eine Notlösung wird, müsse einiges an der Unterstützung der Lehrer passieren. Die letzte Mutter meinte, sie sei nun überzeugt, dass Homeschooling unter bestimmten Umständen notwendig und sehr wertvoll sei. Am Anfang hielt sie es für selbstverständlich in die Schule zu gehen und konnte sich Homeschooling gar nicht richtig vorstellen. Zwei von ihnen haben gesagt, dass ihre Kinder gut im Homeschooling zurechtgekommen seien. Doch eine von ihnen meinte, dass die Leistung ihrer Kinder mit der Zeit abgenommen hätte. Die andere sagte jedoch, dass ihr Sohn Schwierigkeiten hatte, die Disziplin aufzubringen, die Aufgaben zu erledigen. Genauso verteilte es sich mit der Frage, ob sie denken, dass ihre Kinder wieder Homeschooling haben wollen. Zwei sagten, dass die Kinder anfänglich wahrscheinlich dafür wären, aber auf Dauer doch gerne wieder in die Schule gehen würden, weil ihnen die Motivation zu Hause oder der soziale Kontakt fehlt. Alle drei waren sich einig, dass es online Unterrichtsstunden geben sollte und nicht nur Aufgaben, die man erledigen soll. Ob wegen der aktuellen Coronalage in Halle wieder Homeschooling sein sollte, waren sie sich nicht so einig. Eine sagte, dass ein erneutes Homeschooling eine schlechte Idee sei, wenn das wieder werden würde, wie im Frühjahr. Eine plädierte für Halbklassen. Und die andere meinte, dass sie Präsenzunterricht besser fände, aber, wenn die Zahlen zu hoch steigen, wäre Homeschooling unvermeidbar.

Zum Schluss kann man sagen, dass die Meinung sich sehr spaltet und man keine Mehrheit festlegen kann. Doch alle sind sich einig, dass es nicht damit getan ist, Aufgaben zu geben. Das Homeschooling ist grundsätzlich gut, aber damit es optimal wird, muss noch einiges verbessert werden.

1 Kommentar zu „Homeschooling oder Präsenzunterricht“

  1. Uta, Lukas, Valentin, Eure Texte sind mit Sicherheit sprachlich nicht ausgereift. Aber die journalistische Idee, die hinter Eurer Arbeit steckt, ist wirklich toll. Respekt. Damit ist alles gesagt.

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