6 Tage abgeschirmt

Am 7. März 2020 war ich auf der Geburtstagsfeier meiner Tante. Da es ein runder Geburtstag war, waren auch sehr viele Leute da, die man schon lange nicht mehr gesehen hatte. Jeder hat jedem die Hand gegeben, sich umarmt und zusammen getanzt. Was viele auf dieser Feier, einschließlich mir, nicht wussten, dass Bekannte einen Tag zuvor aus dem Skiurlaub aus Italien, genauer gesagt, aus Südtirol zurückgekehrt waren. 

In der Schule, an dem Montag nach der Feier, hatte ich meinen Freunden von dieser schönen Feier erzählte, mit wem ich getanzt und erzählt hatte. Ständig hörten wir Nachrichten über das derzeitige Coronavirus. Viele waren dadurch immer ängstlicher geworden, aber manchen ging es wie mir; sie waren auch nur noch davon genervt. Ich hatte immer gesagt, dass es jeden treffen kann, doch hatte ich Zweifel, dass ausgerechnet ich dieses Virus bekommen könnte. Als mein Onkel am 12. März 2020 bei uns anrief und meinte, dass sich herausgestellt hat, dass es dem Bekannten, der In Südtirol war, nicht gut ging, er daraufhin beim Arzt war und dieser die Diagnose stellte, dass er das Coronavirus habe, war der Schock groß. Daraufhin, mussten wir, das heißt meine Eltern, meine kleine Schwester und ich, uns beim Gesundheitsamt melden und alles ganz genau schildern. Es stand fest, dass wir auf jeden Fall zu Hause bleiben mussten. Das hieß aber auch für mich, dass ich die Vergleichsarbeit in Mathe am nächsten Tag nicht mitschreiben konnte. Für meine Eltern war es natürlich erst recht nicht so gut, da meine Mama als Lehrerin in einer Schule und mein Papa beim Landkreis Anhalt-Bitterfeld arbeiten. Wir mussten daraufhin allen weiteren Kontaktpersonen von uns Bescheid geben, die sich natürlich sorgen machten. 

An diesem Tag waren alle nur am telefonieren. Meine Eltern sagten u.a. in den Schulen von meiner Schwester und mir Bescheid. Aber am meisten bemühten sie sich darum, dass wir einen Test, also einen Anstrich, bekommen würden. Diese Ungewissheit war kaum zum Aushalten, ob sich nun jemand aus meiner Familie mit dem Virus angesteckt hat oder, ob wir eventuell noch weitere Menschen angesteckt haben. Ständig kamen auch am darauffolgenden Tag Anrufe, ob es uns gut gehen würde und, ob wir schon wüssten, wie es weiter geht. Was meine Eltern, meine Schwester und ich in dieser Situation aber zu spüren bekamen, war die Erkenntnis, dass wir richtig tolle Freunde haben. Wir könnten natürlich nicht einkaufen gehen, benötigten aber vieles, da wir keine Hamsterkäufer sind, hatten wir nichts wirklich da. Ohne, dass wir unsere Freunde oder Familie gefragt hatten, ob sie etwas für uns besorgen könnten, hatten sie sich schon angeboten und es uns schon vor die Tür gestellt 

Nach einem Anruf bei der 116 117 und der Schilderung der Umstände, erhielten wir, am Freitag, den 13. März 2020, die Information, dass ein Bereitschaftsarzt zu uns nach Hause kommen würde, um uns zu testen. Am Nachmittag parkte dieser Arzt mit einem Sanitäter vor unserem Haus, zog sich dort noch seine Schutzkleidung, sprich Mundschutz, Brille, Kopfhaube und einen Ganzkörperanzug, an. Bei den Nachbarn gingen die Jalousinen hoch. Das war mir sehr unangenehm. Der Arzt befragte uns, ob wir Symptome hätten und ließ sich alles genau über die Feier schildern. Da wir außer Husten und Halsschmerzen nichts hatten, waren wir uns auch sicher, dass wir dieses Virus nicht in uns tragen würden. Wir vier wurden mit dem Stetoskop abgehört und danach machte der Arzt den Anstrich im Mund. Das war auch nicht sehr angenehm. Er ging mit einem Wattestäbchen an der Innenwand meiner Wange lang und anschließend ging er vier Mal mit dem Stäbchen in meinen Rachen.

Am Montag darauf, sprich den 16. März 2020, kamen endlich die Ergebnisse. Die Testergebnisse waren bei meinen Eltern und bei meiner Schwester negativ auf Corona, doch mein Test fehlte. Somit stand fest, dass wir noch länger in Quarantäne bleiben mussten. Doch am nächsten Tag, kam die erlösende Nachricht. Mein Ergebnis war wie schon vermutet negativ ausgefallen. Das Erste, was wir nach dieser Nachricht gemacht haben; wir sind eine große Runde spazieren gegangen.

Nele Nitsche 

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