Klasse 2.0

Der Tag vor meinem veganen Leben:
Der Tag hat gut begonnen. Ich habe in meiner gewohnten Routine früh mein Porridge mit Bananen und Kakaopulver verfeinert und in mich reingeschaufelt. Ein gut gefüllter Bauch erleichtert den Start. Nun noch Anziehen und ab aufs Fahrrad in die Schule. Meine Brotbüchse gut gefüllt mit Äpfeln, Käse, Salamisticks und Nutellabrot bringen mich über den Schultag. Natürlich dürfen wir in der großen Pause die Schule verlassen und uns selber Essen kaufen. In meinem Fall bedeutet das Burger, Currywurst und Co. Als ich nachhause komme esse ich Süßigkeiten und dann erst wieder am Abend etwas. Meistens wird gekocht und es gibt Fleischgerichte oder Süßspeisen. Mit anderen Worten alles läuft bestens. Ich bin satt und zufrieden. Da ich regelmäßig zum Fußballtraining gehe, ist meine kohlenhydratreiche Ernährung aus meiner Sicht völlig in Ordnung.
Dann kam der Tag an dem unsere Lehrerin uns mitteilte, dass wir jetzt an dem Projekt Klasse 2.0 teilnehmen. Meine Klasse hat sich dann unter der Überschrift gesunde Ernährung für das Thema „vegan leben“ entschieden. Aus meiner Sicht war das eine gute Entscheidung und ich war voll motiviert. Sieben Tage vegan leben… Cool! Da mache ich mit. Kann ja nicht so schwer sein. Vegan hatte ich schon oft gehört und auf Nahrungsmitteln gelesen. Prima!
Zuhause angekommen musste ich allerdings erstmal googeln was das genau für mich bedeutet und wie die vegane Ernährung funktioniert. Schock! Keine Milch… keine Eier… kein Fleisch… Ich hatte schon jetzt keinen Bock mehr. Wenn man dann seine bisherige Ernährung hinterfragt, bleibt nicht mehr viel übrig was man essen kann, denn fast mein komplettes alltäglichen Essen war definitiv nicht vegan. Zum Glück zog meine Familie mit und wir beschlossen gemeinsam sieben vegane Tage zu verbringen.
Das hieß vor allem erstmal sehr viel Informationen sammeln und komplett neu einkaufen. Wir haben uns dafür entschieden zusätzlich ein, natürlich veganes, Nahrungsergänzungsmittel mit allen benötigen Vitaminen (z.B. Vitamin B12) zu uns zu nehmen. Noch während unserer Vorbereitungen stellte sich heraus, dass diese Art zu leben vor allem kostspielig ist.
Dann starteten wir durch! Für viele Sachen auf die wir verzichten mussten gab es im Internet andere Rezeptvorschläge oder im Supermarkt schon fertige Alternativen. Wobei Tofu definitiv kein Fleisch ist und vegane Würstchen uns persönlich auch nicht schmeckten. Unsere Gaumen sind halt seit Jahren auf Fleisch geprägt und das merkt man auch. Sicherlich spielt es auch eine Rolle, dass wir die vegane Lebensweise ja nicht aus einer Überzeugung heraus leben, sondern es für uns halt „nur“ ein Experiment war. Da ist man wahrscheinlich kritischer.
Der Tag mit meinem veganen Leben:
Der Tag hat begonnen. Ich esse nun Haferflocken mit Banane in Mandelmilch. Eigentlich ziemlich lecker und mal was Neues. Mein Bauch ist weiterhin gut gefüllt und ich vermisse früh nichts. Meine Brotbüchse für die Schule enthält jetzt Äpfel, Gurke, Möhren und dazu eine Vollkornschnitte mit veganem Brotaufstrich. Auch hier bin ich zufrieden. Nun kommt mein Problem. Nach wie vor verlassen wir in der großen Pause die Schule. Allerdings kann ich mir nichts Warmes zu Essen kaufen, denn es gibt im Umfeld der Schule keinen Imbissstand mit veganem Essen bzw. weiß ich nicht was in dem fertigen Essen drin ist. Das nervt mich so richtig! Ich bin froh, wenn das vorbei ist. Zuhause habe ich wieder eher keine Probleme, denn wir haben viele leckere, vegane Rezepte gefunden, die wir jeden Tag abends kochen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass ich die sieben Tage zwar nicht leiden musste, aber es doch nicht so unproblematisch war, wie ich anfangs dachte. Für mich hat es sich leider so angefühlt, als würde mir was fehlen. An Tag acht haben meine Familie und ich uns alles nochmal durch den Kopf gehen lassen und unsere Erfahrungen für diesen Bericht zusammengetragen. Und zwar bei einem schönen Grillabend mit Steak und Bratwurst.
Niklas Tausch, Klasse 9c
Ludwigsgymnasium Köthen

1 Kommentar zu „Klasse 2.0“

  1. Am Ende des Experiments wird gegrillt – das lasse ich mir gefallen. Aber auch ohne Bratwurst ist Dein Text ein guter. Die Idee, einen bisher normalen Speiseplan mit einem veganen Tagesablauf zu vergleichen, ist gelungen. Und ich habe einmal mehr gelernt, dass junge Leute in Deinem Alter irgendwie ohne Nutella nicht leben können.

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