Absturz oder Kurve kriegen

Jugendliche – zerrissen im Spannungsfeld von schulischem Leistungsdruck und dem Computerspielen?

Die Schule verlangt Einiges von einem ab. Nicht nur das Anfertigen von Hausaufgaben, Hausarbeiten und Vorträgen, sondern auch das ständige Lernen in Vorbereitung auf Tests, die nicht selten unangekündigt sind. Der ständige Druck, sehr gute Noten zu bekommen, erhöht dabei in nicht unerheblicher Weise den Leistungsdruck, der insbesondere von Eltern vorgegeben wird. Sind es nicht immer die gleichen Worte, mit denen sie einen zu noch besseren Leistungen antreiben? Sie wiederholen oft die gleichen Sätze wie: „Du musst dich mehr anstrengen, damit für Studium und Beruf alle Wege offen stehen.“- und zugegebener Maßen haben sie auch Recht. Dabei vergessen sie aber oft die Bedürfnisse von Neuntklässlern. Sie ignorieren, dass die sozialen Kontakte heute nicht mehr durch das Treffen, bei gleichzeitiger körperlicher Anwesenheit stattfinden, sondern insbesondere in den virtuellen Welten der Online-Computerspiele, wie Minecraft, World of Warcraft oder Destiny 2 und anderen, vielen von uns bekannten Computerspielen, ablaufen. Neben der Pflege der sozialen Kontakte dienen Computerspiele ganz besonders auch der Flucht aus dem schulisch-tristen Alltag. Das Schlüpfen in die Rolle eines Helden, der man selbst niemals sein kann, ist das Begeisternde daran.

Doch kann sich diese Begeisterung schnell in eine Sucht steigern. Die Vernachlässigung der schulischen Pflichten in einem so erheblichen Maße, dass ein starker Notenabfall nicht aufzuhalten ist, ist häufig die Folge. Der Verlust des gesunden Maßes zwischen Schule und dem Spielen ist es also, was eine Computerspielsucht ausmacht.

Doch warum ist das so? Ist Computerspielen wirklich nur Zeitverschwendung und mündet direkt in den schulischen Abstieg, und was macht einen an einem Spiel eigentlich so süchtig?

 

Zur Beantwortung dieser Fragen ist es ratsam, sich ein Computerspiel wie ein gutes Buch, einen Roman, einen spannenden Krimi vorzustellen. Der Spieler steuert eine Figur, die in einem Handlungskontext steht. Kommt der Spieler im Spiel voran, erfährt er immer mehr von der Geschichte, welche die Figur zu erzählen hat. Dabei wird je nach Fortschritt immer nur ein bestimmter Teil neuen Geschehens offengelegt, die Auflösung erfährt der Spieler am Ende, wie es auch bei den Büchern ist. Jedoch beschreibt diese Darstellung nur ein Gebiet der vielfältigen Genres dieses Unterhaltungsmediums. Ein anderes Gebiet sind die schon zitierten Online-Rollenspiele. Hier entsteht durch die geforderte Zusammenarbeit mit anderen Spielern ein permanenter Leistungsdruck immer der besten Ausrüstung und den besten Waffen nachzujagen, um konkurrenzfähig zu sein, anderen in nichts nachzustehen und seine eigene Heldenfigur voranzubringen. Dieser „Konkurrenzkampf“ zwingt den Spieler zu ungezügelten, nicht enden wollenden Spielsektionen und kann letztlich die oben beschriebene Sucht herbeiführen.

Gleichwohl kann ein solches Computerspiel nicht nur die beschriebenen Nachteile mit sich bringen. Es hat auch Vorteile. Gerade in Online Spielen ist der Kontakt mit anderen Spielern in englischer Sprache gefordert. Hemmnisse, die Sprache zu sprechen und anzuwenden-wie dies gerade in der Schule vor Lehrer und Klasse der Fall sein kann- werden so abgebaut und der Umgang mit der Sprache, wird schon dadurch verbessert, dass der einzelne Spieler gezwungen ist, so zu kommunizieren. Darüber hinaus haben nicht wenige Computerspiele einen Bezug zu weltgeschichtlichen/weltpolitischen Themen. Wie wissenschaftlich korrekt dieser Bezug in dem Spiel dabei dargestellt wird, kann hier dahinstehen. Fakt ist jedenfalls, dass es das Interesse an einer bestimmten Epoche der Zeitgeschichte wecken kann, was grundsätzlich nichts Unerwünschtes ist.

Einen Nachteil, der Computerspielen wohl anhaftet, ist der, dass viele Jugendliche gerade keine Beschäftigung in anderen Arten des Zeitvertreibes suchen. Insbesondere die Zeit für wichtige sportliche Aktivitäten leidet, was zu bekannten Problemen führt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass eine Abwägung von Vor- und Nachteilen von Computerspielen im Ergebnis nicht sinnvoll sein kann. Sie also generell zu verteufeln ist der falsche Weg. Vielmehr ist die Frage, wie empfänglich der einzelne Jugendliche für dieses Unterhaltungsmedium ist, von entscheidender Bedeutung.

Nach meinen Erfahrungen, ist es für mich besonders schwierig Computerspielen und Schule zu einem vernünftigen Ausgleich zu bekommen. Zwar ist dies in der Woche für mich ein Tabu, aber auch am Wochenende, wenn mir selbiges erlaubt ist, fehlt mir schlichtweg die Zeit, die die pflichtgemäße Erfüllung schulischer Aufgaben erfordert. Nicht etwa deswegen, weil für die schulischen Aufgaben nicht genug Zeit bliebe, sondern weil die Gedanken ständig um das Spiel kreisen. Die Angst eine schlechte Note zu bekommen und ein Verbot deswegen zu fangen, ist keine Option. Die Lösung für ein solches Dilemma liegt auf der Hand. Schlechte Noten werden den Eltern verschwiegen und so das Vertrauensverhältnis in der von Vertrauen geprägten Lebensgemeinschaft Familie nachhaltig gestört.

 

Ich habe deshalb für mich, auch auf Anraten meiner Eltern, entschieden, Distanz zu den Computerspielen zu wahren. Deswegen lebt man auch nicht „hinter dem Mond“. Vielmehr bieten die zahlreichen sozialen Medien für Jugendliche umfangreiche Kontaktmöglichkeiten.

 

Als Fazit bleibt zu sagen, dass die Frage des Für und Wider von Computerspielen eine Frage ist, die vom Charakter des jeweiligen Menschen abhängig, zu beantworten ist. Allgemein einen Ursachenzusammenhang zwischen Computerspielen und schulischem Abstieg zu sehen, ist also verfehlt. Ein allgemeines Schlechtmachen von Computerspielen wird ihnen nicht gerecht und lässt eine differenzierte Betrachtung nicht zu. So soll dieser Artikel nicht die „Wahrheit“ vermitteln, vielmehr soll er zu einer Diskussion unter Jugendlichen und auch unter Jugendlichen gemeinsam mit ihren Eltern anregen. Denn Interesse an den Tätigkeiten des Jugendlichen in diesem Bereich von Seiten der Eltern ist der beste Schritt, um Probleme früh zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Von Jannes Kirchner, 9a

Ludwigsgymnasium Köthen (Anhalt)

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