Ministerpräsident zu Gast

Gelöchert wie ein Schweizer Käse

Ministerpräsident Reiner Haseloff zu Gast in einer Fragestunde der Klasse 8c des Luther-Melanchthon-Gymnasiums Wittenberg

Die Fragen waren kurz und die Antworten lang. Am Freitag, dem 16.3.2018, war der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts,  Reiner Haseloff, trotz vollen Terminkalenders der Einladung der Klasse 8c der Hundertwasserschule in Wittenberg gefolgt und wurde von den Schülern mit Fragen überhäuft. Diese hatten sich gut vorbereitet und schon Wochen vorher ihren Fragenkatalog bei der Pressestelle des Ministers eingereicht.

Und nun konnten sie die Fragen Haseloff persönlich stellen. So wollten sie zunächst ganz persönliche Dinge wissen, zum Beispiel ob er ein guter Schüler war. Er sagte, dass es darauf ankomme, wie man das meine. Sein Abitur habe er mit 1,0 bestanden, allerdings habe er auch an einem heißen Sommertag einmal einen Zettel an die Tafel geheftet, auf welchem stand: Wir streiken. Hitzefrei wollte er haben, doch sei diese Aktion in einer Schule der DDR nicht so gut angekommen. Und auch bei der Frage, ob er schon immer Politiker werden wollte, kam diese Zeit erneut zur Sprache, denn der Ministerpräsident antwortete: „In der DDR definitiv nicht.“ Zu seiner Arbeit als Chef Sachsen-Anhalts wollten die Schüler ebenfalls vieles wissen: Wie lang ist ihr Arbeitstag? Schaffen Sie es, in Ihrer Freizeit noch Bücher zu lesen? und Können Sie am Abend entspannt einschlafen oder schwirren Ihnen noch lange Probleme und Fragen zur Landespolitik durch den Kopf? Da er bereits 6.30 Uhr aufstehe und am Abend erst zwischen 21 und 22 Uhr nach Hause komme, habe er mit dem Einschlafen keine Probleme, sagte er: „Wenn ich im Bett liege, bin ich nach drei Minuten weg.“

Dann kamen aktuell-politische Themen zur Sprache. Bei dem Hinweis auf die oft sehr langen Busfahrtzeiten einiger Schüler verwies er auf die Verantwortlichkeit des Landkreises, aber die Verbesserung der Digitalisierung der Schulen sei in Vorbereitung. Doch auch zu seiner Meinung nach dem Ausstieg aus der Energiegewinnung aus Braunkohle und Atomkraft wurde Haseloff befragt und dazu, was er in seiner Amtszeit in Sachsen-Anhalt noch verändern möchte. Auf Letzteres antwortete er: „Ich möchte erreichen, dass es in Sachsen-Anhalt weniger Arbeitslose gibt.“ Er sagte außerdem, dass es ein großer persönlicher Wunsch sei, dass die 1938 zerstörte Synagoge in Dessau wieder aufgebaut wird, die Moses Mendelsohn besuchte. Dieser sei das Vorbild für Lessings „Nathan, der Weise“ gewesen, der für Toleranz stehe. Und dies sei auch ihm, dem Ministerpräsidenten, sehr wichtig.

Zum Schluss äußerte Reiner Haseloff die Hoffnung, dass viele Schüler den Beruf des Lehrers ergreifen werden, denn solche wird das Land bald brauchen.

Schnell waren die 90 Minuten Fragezeit um, viel Interessantes hatten die Schüler erfahren und am Ende musste sich der Ministerpräsident sogar eher kurz fassen. Einfach, aber einprägsam gab er den Schülern mit auf den Weg: „Das Leben kann völlig anders verlaufen, als man sich das vorstellt.“ Und erinnerte damit daran, dass auch er, als er sich für den Beruf des Physikers entschieden hatte, nicht dachte, dass er einmal in die Politik gehen würde.

Bevor er zum nächsten Termin weiter eilte, gab es als Dankeschön ein paar Blumen, welche er mit den Worten entgegennahm: „Da wird sich meine Frau aber freuen.“

Emma Natho, Lana Herzka und Erik Michl

 

Ministerpräsident Reiner Haseloff diskutiert mit den Schülern in Wittenberg.     Foto: Ute Pannicke

1 Kommentar zu „Ministerpräsident zu Gast“

  1. Kurze Fragen, lange Antworten – ja, so kennen auch Journalisten unseren Ministerpräsidenten. Ich finde Idee, Reiner Haseloff zu interviewen, ebenso toll wie den Text, der daraus entstanden ist. Die Fotos schließe ich mit ein. Kompliment an die Reporter!

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