Schuljahr im Ausland

Für ein Jahr von zu Hause weg und ins Ausland? Neue Kulturen und Menschen kennenlernen?
Die Schule außerhalb von Deutschland besuchen? Dies ist der Traum vieler Jungendlicher, aber
es muss kein Traum bleiben. Mit verschieden Organisationen ist es tatsächlich möglich, ein halbes
oder ein ganzes Schuljahr, im Ausland zu verbringen und dort in die Schule zu gehen. Etwa
16.500 Schüler deutschlandweit entscheiden sich jährlich für ein Auslandsjahr.
Aber wie wird das Auslandsjahr eigentlich an der eigenen Schule organisiert? Was muss man
beachten? Diese Frage hat uns netterweise Herr Kastl, der stellvertretende Schulleiter des
Goethegymnasiums Weißenfels, beantwortet.
Wann darf man sein Auslandsjahr machen?
„Bei uns darf man sein Auslandsjahr ab der 11. Klasse machen.“
Wie wird das Auslandsjahr hier organisiert?
„Man bewirbt sich auf einen Platz bei einer Organisation. Wenn man den Platz bekommt, reicht
man die Zusage bei uns ein und wir geben Sie dann an das Landesschulamt weiter.“
Muss man sonst noch was beachten?
„Man muss beachten, dass man sein Schuljahr in Deutschland wiederholen muss. Das ist Pflicht.“
‚Man bewirbt sich auf einen Platz bei einer Organisation.‘ Eine beliebte Organisation ist
beispielsweise YFU („Youth for understanding“). Jährlich reisen ca. 1000 Jugendliche aus
Deutschland mit YFU ins Ausland. YFU bietet 43 Länder zur Auswahl an. Zur Verfügung stehen
zum Beispiel Kanada, die USA, England oder zum Beispiel Frankreich, Spanien oder Indien.
Außerdem bietet diese Organisation Vorbereitungstage mit Workshops, verschiedene Seminare im
Ausland und Nachbereitungen im Heimatland an.
Die Kosten für ein Auslandsjahr können unterschiedlich ausfallen. Von 5.000€ bis 20.000€ ist alles
dabei. Die Kosten variieren je nach Länge des Auslandaufenthaltes, Gastland, Organisation und
der Gastschule. Trotz allem ist ein Auslandsjahr nicht billig. Um den meisten Jugendlichen ihren
Traum vom Auslandsjahr aber trotzdem zu erfüllen, kann man bei verschieden Organisation und
Firmen Stipendien beantragen. Weitere Informationen zur Beantragung von Stipendien können
Sie im Internet auf der Homepage verschiedener Organisationen oder Firmen finden.
Für viele Jugendliche ist es ein großes Problem, die eigenen Freunde im Heimatland für so lange
Zeit zurücklassen. Wir haben in unserem Freundeskreis einmal nachgefragt, was unsere Freunde
davon halten würden, wenn der oder die beste Freundin für ein Jahr ins Ausland gehen würde.
„Ich wäre ziemlich traurig, aber ich würde mich auch für ihn freuen.“, meinte Toni Lux aus der 8a
des Goethegymnasiums. „Ich wäre ziemlich deprimiert,“, überlegt Charlotte Habermann, ebenfalls
aus der 8a, „aber ich würde mich trotzdem für sie freuen. Ich glaube ich würde sie einmal
besuchen“, meinte sie lächelnd. „Es wäre ein bisschen blöd, weil man sich dann so lange nicht
sieht, aber man würde ja in Kontakt bleiben.“, meint Max Haase aus der 8a.
Wie man sieht, wäre es vielleicht im ersten Moment traurig, aber der Kontakt würde nicht
abbrechen.
Bei so einer großen Reise können natürlich auch einige Herausforderungen auf einen zukommen,
wie beispielsweise Verständigungsprobleme, Konflikte mit der Gastfamilie, in der Schule oder
auch beim Einleben. Das kommt natürlich nicht bei jedem vor. Wir haben einen Gastschüler aus
Taiwan, der letztes Jahr unsere Schule besucht hat, nach seinen Erfahrungen und Eindrücken
befragt.
Wie war dein erster Monat hier in Deutschland?
„Um ehrlich zu sein war der erste Monat ziemlich schlimm. Kaum jemand hat mit mir geredet. Es
war auch sehr komisch für mich, von einem Ort an dem ich alles sagen konnte wann und was ich
wollte zu einem Ort zu kommen wo ich nicht wusste wie ich meine Gefühle und Emotionen
ausdrücken sollte. Die restlichen Monate waren aber viel besser!“
Hattest du an deiner Schule in deinem Heimatland schon Deutsch als Schulfach gehabt?
„Ja, hatte ich. Aber das war alles nur sehr simples Deutsch.“
Wie war die erste Zeit mit deiner Gastfamilie?
„Meine Gastfamilie war echt gut! Aber das Essen war so anders. Wir haben jeden Tag Brot
gegessen. Ich bin fast verrückt geworden. Aber nach einer Zeit habe ich mich daran gewöhnt.“
Wir haben dann auch auch noch seine Gasteltern, Claudia und Christian Uffrecht, zu ihren
Erfahrungen befragt.
Hatten Sie schon mehrere Gastschüler bei sich?
„Wir hatten im Schuljahr 2014/15 eine Gastschülerin aus Frankreich bei uns und haben 2016/2017
einem Jungen aus Taiwan ein zu Hause gegeben. In dieser Zeit war jeweils eines unserer Kinder
an einer Highschool im Ausland und wohnten ein Schuljahr bei einer Gastfamilie.“
Was hat sich mit der Aufnahme geändert? Gab es anfangs Verständigungsprobleme bzw.
wie war die Situation generell am Anfang?
Da wir vorher schon eine Gastschülerin für ein Jahr aufgenommen hatten, wussten wir, was auf
uns zukommt. Der routinierte Familienalltag kommt plötzlich durcheinander. Man versucht sich
gegenseitig kennenzulernen und das neue Familienmitglied in möglichst vielen Bereichen
einzubinden. Welches Essen wird gekocht? Wann fährt der Schulbus und wo muss man ein und
aussteigen? Wie sind die Abläufe in unserer Familie, welche Regeln gibt es? Das alles mit den
wenigen Worten, die ein neuer Gastschüler anfangs versteht. Also auch mit Händen und Füßen,
mit Google Übersetzer, auf Englisch und mit vielen Missverständnissen.
Gab es Konflikte zwischen Ihnen?
Junge Menschen, die für ein Schuljahr ihr Elternhaus verlassen, wollen etwas Neues
kennenlernen, sind neugierig. Sie lassen sich auf eine völlig neue Kultur ein. Genauso wie ihre
Gastfamilien. Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten werden nach unserer Erfahrung
dabei nicht als Konflikt wahrgenommen, sondern als neue Erfahrung. Wenn es Probleme gab,
waren es welche, die auch zwischen uns und unseren Kindern vorkommen würden, also keine
Alltagsprobleme.
Haben die Gastschüler Ihnen auch ihre eigene Kultur näher gebracht? Wenn ja wie?
Das gegenseitige Näherbringen der jeweiligen Kultur ergibt sich zwangsläufig im Alltag. Man
hinterfragt eigentlich in fast jeder Situation, wie der andere es handhabt oder kennt. Zum Beispiel
beim Kochen, Essen, bei Feiertagen und so weiter. Der Einstieg sind die Gastgeschenke, die man
bekommt und oft ausgiebig erklärt werden müssen.“
Haben Sie noch Kontakt zu den Gastschülern?
Ja, wir schreiben uns regelmäßig, skypen miteinander, tauschen Bilder aus und schicken uns zu
Anlässen auch etwas zu. Der engere Kontakt besteht aber zwischen unseren Kindern mit ihren
jeweiligen Gastgeschwistern. Luise und ihre Gastschwester Rosa besuchen sich gegenseitig.
Wie man merkt, ist ein Auslandsjahr eine spannende Sache. Für Gasteltern sowie für Gastschüler.
Wenn Sie Interesse haben ins Ausland zu reisen oder selber einen Auslandsschüler aufzunehmen,
wenden Sie sich an eine Organisation ihrer Wahl. Es ist auf jeden Fall eine Erfahrung fürs Leben.

 

Goethegymnasium Weißenfels

1 Kommentar zu „Schuljahr im Ausland“

  1. Liebe Blog-Leser,
    der Text ist nicht von mir, ich habe ihn nur in den Blog gestellt, weil es in Weißenfels technische Probleme damit gab. Das sage ich, weil mein Name als Absender auftaucht.
    Was will ich den Autoren sagen? Ihr habt Euch ein schwieriges, weil umfangreiches Thema ausgesucht. Und Ihr habt es gut bewältigt. Respekt dafür. Vor allen Dingen Anerkennung für die umfangreiche Recherche. Wenn es etwas zu bemerken gibt, dann dies: Der Text hätte eine bessere Struktur vertragen. So sind es im Grunde drei Interviews, die mehr oder weniger ohne Übergnag nacheinander dargeboten werden. Das erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Aber das tut der guten Leistung keinen wirklichen Abbruch.

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