Gottverlassen-Hat die Kirche noch Bedeutung in Sachsen-Anhalt?

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern sind markant. Das Land Sachsen-Anhalt hat die wenigsten Kirchenmitglieder aufzuweisen.Während Wittenberg auch als Vatikan der Protestanten bezeichnet wird, sieht es in anderen Teilen Sachsen-Anhalts nicht so aus. Etwa 80% der Bürger sind konfessionslos. Doch warum? Die Gründe sind vielfältig, von Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche bis zur Vermeidung der Kirchensteuer. Schon die DDR war bereits stark atheistisch geprägt und Kirchengänger eine Minderheit. Eine weitere Ursache ist, dass die Kirche jungen Leuten durch veraltete Ansichten immer unattraktiver erscheint. Die Menschen verlieren ihren Glauben, durch modernere Denkweisen und Techniken. Doch wer tritt eigentlich aus? Allgemein lässt die Aktivität ab dem 20. Lebensjahr nach. Es treten mehr junge als alte Leute aus. Dabei wird der Austritt von Kindern unter 12 Jahren allein von den Erziehungsberechtigten bestimmt. Ist das Kind 12 oder 13 Jahre alt, kann nach dem Gesetz die Austrittserklärung durch den Erziehungsberechtigten nur mit der Zustimmung des Kindes erfolgen. Ab dem 14. Lebensjahr können die Jugendlichen über ihre Religion selber bestimmen. Die Folgen sind hohe Austrittszahlen. Zum Vergleich: In Sachsen-Anhalt leben 372.477 Gläubige (Katholiken und Protestanten), in Schleswig-Holstein 1.561.979. Beide Bundesländer haben dabei etwa 2,5 Millionen Einwohner. Doch warum? Gibt es Unterschiede zwischen den beiden Gemeinden? Zu dieser und weiteren Fragen haben wir den Weißenfelser Pfarrer Herrn Martin Schmelzer interviewt. 

Interview mit dem Weißenfelser Pfarrer Herrn Martin Schmelzer und der Vikarin Frau Caroline Butzkies.
Interview mit dem Weißenfelser Pfarrer Herrn Martin Schmelzer und der Vikarin Frau Caroline Butzkies.

Mirja Lienau: Wie viele Jugendliche haben sie in den letzten 5 Jahren konfirmiert?

Herr Schmelzer: Es müssten etwa 25 gewesen sein.

Mirja Lienau: Glauben sie, dass die Ursache für die wenigen Kirchengänger Sachsen-Anhalts in der DDR liegen könnte?

Herr Schmelzer: Ja, da es in der DDR nicht vorteilhaft war Kirchenmitglied zu sein. Oberflächlich wurde zwar jede Religion akzeptiert, aber es wurde nicht gern gesehen wenn man in die Kirche ging. Die Folge waren oft Benachteiligungen z.B. hätten sie daraufhin nicht die Oberschule besuchen oder jede Arbeit ausüben können.

Mirja Lienau: Wie hoch ist die Kirchensteuer in Sachsen-Anhalt?Hottverlassen –

Herr Schmelzer: Das kommt auf den Verdiener an. Es handelt sich dabei um 2% der Einkommenssteuer. Das wären wenn man z.B. 1300 € im Monat verdienen würde etwa 5€.

M.Lienau: Woran könnte es liegen, dass gerade in Schleswig-Holstein so viele Christen und Katholiken leben?  Ist die Kirche dort anders?

H.Schmelzer: In Schleswig-Holstein glauben einfach mehr Leute. Außerdem ist Schleswig-Holstein landwirtschaftlich geprägt und deshalb sehr mit Tradition verbunden. Für die Familien ist es Tradition die Kirche zu besuchen.

M.Lienau: Was sind die Folgen von so wenigen Kirchenmitgliedern in Sachsen-Anhalt?

H.Schmelzer: Natürlich haben wir so jedes Jahr wenige Konfirmanten. Das positive ist jedoch, dass die jungen Leute, die konfirmiert werden wollen,es nicht aus Tradition tun,sondern weil sie mit dem Herzen an Gott glauben.

M.Lienau: Wie denken sie über rechtspopulistische Parteien, wie z.B. die AfD? Glauben sie,dass diese zur Loslösung der Kirchenmitglieder beitragen?

H.Schmelzer: Diese haben keinen direkten Einfluss, aber ich glaube das die Leute die sich von der Kirche ab- und der AfD zuwenden es tun, weil die Kirche andere Ziele verfolgt als die AfD, z.B. in der Flüchtligspolitik. Also ja in gewisser Weise schon, was wir vertreten verträgt sich nämlich nicht mit der AfD oder NPD.

M.Lienau: Wie könnte man junge Leute für die Kirche begeistern bzw. sie attraktiver machen?

H.Schmelzer: Das versuchen wir durch lustige Konfirmanden Abschlussfahrten und Treffen einmal pro Woche zu erreichen. Außerdem sollte die Kirche einladend sein,kein verstaubtes Image haben und mehr auf Jugendliche zugehen.

M.Lienau: Was würden sie auf die Frage “Hat die Kirche noch Bedeutung in Sachsen-Anhalt?” antworten?

H.Schmelzer: Ja, die Kirche hat eine große Bedeutung in Sachsen-Anhalt. Jedes Dorf hat eine Kirche, diese ist oftmals sehr schön saniert. Das finde ich sehr beachtlich. Die Kirche erlangt Bedeutung, indem sie ihre Türen öffnet. Leider machen wir das in Weißenfels nicht, aus berechtigter Angst vor Randallismus. Aber eigentlich müssten wir uns öffnen. Bei Notsituationen hat die Kirche immer Bedeutung. Als die beiden Kinder damals in der Saale ertrunken sind besuchten fast 1000 Menschen die Kirche. Denn: ” Not lehrt Beten.”

von Mirja Lienau , Nele Söhnlein und Helene Geiger der Klasse 8a des Goethegymnasiums Weißenfels.

5 Kommentare zu „Gottverlassen-Hat die Kirche noch Bedeutung in Sachsen-Anhalt?“

  1. Hallo ihr drei, der Artikel ist sehr gut überarbeitet und durch das Interview bereichert worden. Hat das Interview nur Mirja durchgeführt? Überleitung zum Interview würde ich noch verändern, da Herr Scmelzer auf ganz verschiedene Fragen antwortet. Bringt am Montag den Ausdruck mit, da würde ich über die Rechtschreibung schauen, Euch noch einen schönen Schultag und ein erholsames Wochenende. Frau Keck

    1. Ja,das Interview habe ich allein geführt. Leider haben wir noch keine richtige Idee für eine gute Überleitung zum Interview. Wir versuchen diese noch zu finden und bringen alles am Montag mit. Vielen Dank und ebenfalls ein schönes Wochenende.
      Mirja, Helene und Nele S.

  2. Das ist eine tolle Arbeit! Nur eine Kleinigkeit: Der Pfarrer heißt Martin Schmelzer und nicht Herr Martin Schmelzer. Dass er ein Mann ist, ist unschwer zu erkennen. Also: keine falsche Ehrfurcht.
    Aber das ist kritisieren auf hohem Niveau. Was gefällt mir am besten am Text? Die strikte Gesprächsführung von Mirja. Super!

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